|
|
|
Das KASCADE Experiment
Das Karlsruher Luftschauer-Experiment KASCADE (Karsruhe Shower
Core and Array Detektor) wurde so konzipiert, dass es neben
der Bestimmung astrophysikalisch interessanter Größen, wie das Energiespektrum
oder die Elementzusammensetzung der kosmischen Strahlung, auch zur Verbesserung
der Kenntnis hadronischer Wechselwirkungen bei hohen Energien beitragen kann
(z.B. Stöße von Proton- oder Eisen-Kernen mit Stickstoffkernen der
Luft). Die Nachweisfläche des Gesamtexperiments wird durch die Abmessungen
des Detektorfelds bestimmt. Auf einer von Fläche von 200x200 m2
befinden sich schachbrettförmig angeordnet 252 Detektorstationen im Abstand
von 13 m zueinander, d.h. die Messfläche der Detektoren selbst beträgt
etwa 2% der Nachweisfläche des Experiments. Die Stationen beinhalten Szintillationsdetektoren
zum Nachweis der Elektronen und
 |
| Abbildung 1. Ansicht des KASCADE-Experiments. Erkennbar sind
neben den einzelnen Hütten des Detektorfelds auch der in der Mitte gelegene
Zentraldetektor. |
Photonen eines Luftschauers, zusätzlich beinhalten sie eine 20 cm starke Blei-Eisen Abschirmung unter der sich ein 4-fach segmentierter Plastikszintillationsdetektor als Myon-Detektor befindet. Die Abschirmung verhindert sehr effektiv ein Durchdringen der Elektronen und Photonen, so dass zum Großteil nur Myonen gemessen werden. Im Zentrum der Anlage befindet sich ein kompaktes 20x16 m2 großes Detektorsystem bestehend aus einem 4000 t Eisen-TMS/TMP (Tetra-Methyl-Silan/Tetra-Methyl-Pentan) Sampling-Kalorimeter welches von 40000 Ionisationskammern ausgelesen wird, zwei Ebenen aus Vieldraht-Proportionalkammern, eine weitere Ebene aus Streamertube-Detektoren sowie einer Triggerebene aus Szintillationszählern. Das komplexe Detektorsystem dient zur Vermessung der Hadronen, Myonen und Elektronen im Kernbereich des Luftschauers. Nördlich dieses sogenannten Zentraldetektorsystems werden in einem 50 m langen Detektortunnel die Spuren von durchdringenden Myonen in drei horizontalen und zwei vertikalen Ebenen aus Streamertube-Detektoren gemessen.
Die Abbildung 1 zeigt eine Ansicht der gesamten KASCADE Detektoranordnung. Die zur Energie- und Massenbestimmung der Primärteilchen erforderliche Detektorauflösung wird durch vergleichsweise hohe Flächenbelegung und Qualität der Detektoren erreicht; Elektronen werden in 674 Detektoren (550 m2) und Myonen als schwerer Bruder des Elektrons in 648 Detektoren (826 m2) gezählt, zusätzlich wird die Richtung der Myonen auf einer Gesamtfläche von 280 m2 vermessen und schließlich der Ort, die Richtung und Energie hochenergetischer Hadronen auf einer Fläche von 300 m2 bestimmt.
 |
| Abbildung 2. Energieeinträge und Ankunftszeitverteilungen
in den einzelnen Detektorstationen des Detektorfelds. Deutlich zu erkennen ist
das Zentrum des Luftschauers mit sehr hohen Energieeinträgen die rasch
nach außen hin abfallen.
|
Exemplarisch zeigt Abbildung 2 einen gemessenen hochenergetischen Schauer
dessen Schauerzentrum (Durchstoßpunkt der Einfallsrichtung des Primärteilchens
durch die Erdoberfläche) etwa 50 m nordöstlich des Zentraldetektorgebäudes
liegt. Der linke Graph zeigt, als Säulendiagramm kenntlich gemacht, den Energieeintrag
je Detektorstation, d.h. die hier dargestellten Einträge entsprechen etwa
400 Teilchen pro Quadratmeter. Das rechte Teilbild stellt das Ankunftszeitprofil
des Luftschauers dar. Im äußersten Südosten treffen zuerst Teilchen
ein entsprechend einer Ankunftszeit t=0 ns (1 nano Sekunde= 0.000000001 s). Im
Nordwesten sprechen die Detektoren um 350 ns verzögert an. Der Luftschauer
entwickelt sich schräg in der Atmosphäre und die Teilchenscheibe fällt
geneigt auf das Detektorfeld.
Abbildung 3 zeigt den Kernbereich eines gemessenen Luftschauers, wie er
im Hadronkalorimeter rekonstruiert wird. Die Energiedepositionen in den einzelnen
Lagen werden genutzt um individuelle Hadronen aufzulösen und ihre Spur im
Kalorimeter zu bestimmen. Die höchsten Energieeinträge sind im Kernbereich
konzentriert und fallen stark nach außen ab.
 |
| Abbildung 3. Farblich kodierte Energieeinträge im Hadronkalorimeter.
Der Kern des Luftschauers trifft den Detektor zentral. Aus
den Energiedepositionen rekonstruierte Teilchenspuren sind als schwarze Linien
gekennzeichnet. |
Vermöge der komplexen Detektorstruktur sollte es also gelingen das Energiespektrum sowie die Elementzusammensetzung der
kosmischen Strahlung zu bestimmen. Darüber hinaus werden Aufschlüsse über die beteiligten teilchen- und
kernphysikalischen Prozesse erwartet, die an den Beschleunigeranlagen des DESY-Labors in Hamburg oder des CERN-Labors in der
Schweiz wegen der extrem hohen Energie der Reaktionsprodukte nicht untersucht werden können. Um zu noch deutlich
höheren Energien als 1016 eV zu gelangen (siehe den Beitrag zum Auger-Experiment), ist ein fundierte Kenntnis
all dieser Prozesse notwendig. Das Experiment KASCADE wird daher mit zusätzlichen Szintillationsdetektoren eine
Erweiterung erfahren und im Rahmen einer neuentstandenen Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern aus Italien auf eine Fläche
von 0.6 km2 ausgedehnt. Da die Fläche somit um einen Faktor 15 ausgedehnt wird, erhielt das erweiterte
Experiment den Namen KASCADE Grande.
Die beteiligten Institute sind
Links
|