Das PAMELA Experiment
PAMELA ist ein kleines Magnetspektrometer (Permanentmagnet) kombiniert mit aus
Ballonflügen heraus entwickelten modernen Meßdetektoren. PAMELA steht
für An Antiproton, Positron Experiment on a Polar Orbit Satellite.
Wissenschaftliches Ziel des PAMELA-Experiments
- Messung der Antiprotonen von £ 100 MeV bis ³
190 GeV
- Messung der Positronen und Elektronen von £ 100
MeV bis ³ 270 GeV
- Messung solarer Modulationseffekte insbesondere im Hinblick auf das Ladungsvorzeichen
(Antiprotonen, Protonen, Elektronen, Positronen)
- Messung der Energiespektren bis einige 100 GeV/nucleon
- Messung von solaren Flares
- Als Nebeneffekte ergeben sich obere Flußgrenzen für spekulative
Antikerne auf ein Maß von Antihelium/Helium = 10-7
Insbesondere die Messung der Antiprotonen und Positronen leiden bisher unter geringer
Statistik und dem Einfluß der Erdatmosphäre, da bisher alle Messungen
mit Ballonexperimenten durchgeführt wurden. PAMELA ist deshalb ein Satellitenexperiment,
welches in einen russischen Satellit Resurs DK installiert und im Dezember 2002
gestartet werden wird. Der Orbit hat eine Inklination von 70.4° und eine Höhe
von 350 - 600 km. Dieser Orbit erlaubt eine Messung der niederenergetischen galaktischen
kosmischen Teilchenstrahlung in der Nähe der Pole, wo der Einfluß des
Erdmagnetfeldes gering ist. Die Meßzeit von mehr als zwei Jahren erlaubt
eine deutliche Verbesserung der Statistik.
Das experimentelle Konzept
von PAMELA
Um die oben erwähnten wissenschaftlichen Ziele zu erreichen, braucht man
kein Experiment mit großen Abmessungen. Es soll sich auszeichnen durch
Präzision, Zuverlässigkeit und Lebensdauer. Oben zeigen wir schematisch
den experimentellen Aufbau von PAMELA mit den zu verwendenden Detektoren. Das
Experiment besteht aus einem Magnetspektrometer mit Siliziumstreifenzählern
zur Auslese, einem Übergangstrahlungsdetektor, einem Silizium-Wolfram-Kalorimeter,
einem Flugzeitzähler und einem Anti-Koinzidenz-System.
Das gesamte Experiment ist nur ca. 120 cm hoch, das Magnetspektrometer im Zentrum
ist kompakt und hat nur eine Höhe von 450 mm und eine Öffnung für
den Teilchendurchgang von 132 x 162 mm2. Kombiniert mit der Winkelöffnung
des Experimentes ergibt sich daraus ein Raumwinkelflächenprodukt von WF
= 20,5 cm2 ster. Diese Größe reicht aus, um in Kombination
mit dem polaren Orbit genügend Teilchen in der vorgesehenen Meßzeit
zu registrieren (Etwa 20000 Antiprotonen und 200000 Positronen).
Magnetspektrometer
Das
Magnetspektrometer besteht aus einem Permanentmagnet (5 Module aus Nd-Fe-B Material)und
6 Lagen von Siliziumstreifenzählern. Das Magnetfeld hat eine Stärke
von B = 0,4 T und die Ortsauflösung der Siliziumstreifenzähler beträgt
etwa 4 µm. Aus der Kombination von Magnetfeld und Spurvermessung folgt für
das PAMELA-Spektrometer ein MDR von etwa 800 GV (MDR = "Maximal Detectable
Rigidity", bei dieser Steifigkeit beträgt der Fehler der Steifigkeitsmessung
100 %). Beim Magnetspektrometer kommt die kompakte Bauweise des PAMELA-Experimentes
besonders zur Geltung:
- Man erreicht ein relativ starkes Magnetfeld von über 0.4 Tesla.
Bei kleiner empfindlicher Fläche gestaltet sich der Einbau der Siliziumstreifenzähler
in den sensitiven Raum des Magneten mechanisch wesentlich einfacher als bei
größerer Fläche.
Maßnahmen
gegen Vibration und Durchhängen sind einfacher zu realisieren. Dadurch
reduziert sich die Massenbelegung und entsprechend die Vielfachstreuung entlang
der Teilchenbahn.
Durch die kleinen Flächen vereinfacht sich die Ermittlung der Position
der 6 Ebenen untereinander. Ortsabhängige Einflüsse oder Temperatureinflüsse
reduzieren sich.
Bei einem kleinflächigen, kompakten Aufbau ist die Chance wesentlich
größer, die exzellente Ortsauflösung der Siliziumstreifenzähler
von etwa 4 µm auch meßtechnisch nutzen zu können im Gegensatz zu
einem großflächigen Aufbau.
Kalorimeter
Dieses
Kalorimeter besteht aus Siliziumstreifenzählern alternierend kombiniert
mit Lagen von Wolfram-Absorbern. Es besteht aus 11 Modulen, wobei jedes Modul
aus je einer Siliziumauslese für die X-Koordinate, dem Absorber, und der
Siliziumauslese für die Y-Koordinate besteht, also insgesamt 44 Ebenen
Siliziumauslese (jede 380 µm dick) und 22 Absorberebenen (je 2,3 mm dick). Die
Tiefe dieses Kalorimeters entspricht 0,9 Wechselwirkungslängen und 16 Strahlungslängen.
Die Siliziumstreifenzähler
haben einen Pitch von 2,4 mm, dadurch ist neben der Messung des Energieverlustes
des elektromagnetischen Schauers im Kalorimeter auch eine Rekonstruktion der
Teilchenspur möglich. Damit erhält man eine ausgezeichnete Möglichkeit
der Separation zwischen Leptonen und Hadronen. Dieses Kalorimeter wurde im Juli
2000 am SPS-Beschleuniger getestet und erreichte eine Elektron-Positron-Separation
vom Maße 104.
Übergangsstrahlungsdetektor
Dieser Detektor dient auch zur Trennung von Leptonen und Hadronen und benutzt
dabei den Effekt der Übergangsstrahlung, den Teilchen beim Durchqueren
zweier unterschiedlicher Materialien aussenden. Er besteht aus insgesamt 9 Lagen
Radiatormaterial (Carbon-Fiber), alternierend kombiniert mit Doppelebenen von
Strohhalmkammern, die mit Xenon-CO2 Gasgemisch gefüllt sind.
Dieser Detektor dient dazu, die Elektron-Proton Separation weiter zu erhöhen,
um insbesondere den hohen Protonenuntergrund von den Positronen zuverlässig
zu trennen.
Flugzeitmessung
Die
Flugzeitmessung stellt den Trigger für die anderen Detektoren bereit, selektiert
"Albedo-Teilchen" aus (Teilchen, die von unten das Experiment durchqueren),
und bestimmt die Teilchengeschwindigkeit im niederenergetischen Bereich bis
etwa 1 GeV. Für diese Messung (insgesamt 5 Detektorebenen) verwenden wir
Szintillatorstreifen, die über adiabatische Lichtleiter an den Enden mit
Photomultipliern ausgelesen werden. Die Zeitauflösung des System wird etwa
120 psec betragen.
Antikoinzidenzsystem
Um nur Teilchen zu selektieren, die das aktive Volumen des Experimentes durchsetzen
und z. B. Teilchen, die von der Seite kommen, auszuschließen, braucht
man eine Antikoinzidenz. Bei PAMELA befindet sich diese über und um den
Magneten. Sie besteht aus 8 mm dicken Szintillatoren, die durch Photomultiplier
ausgelesen werden.
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