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Direkte Suche nach elementaren Teilchen der Dunklen MaterieWIMPs - Experimentelle HerausforderungenEs gibt viele Hinweise darauf, dass die Dunkle Materie im Universum aus bisher unbekannten, relativ schweren, nur schwach wechselwirkenden Elementarteilchen besteht. Für diese Elementarteilchen hat sich der Name WIMP (Weak Interacting Massive Particle) eingebürgert. Das Ziel des CRESST Experimentes ist es, diese sowohl für die Kosmologie, als auch für die Teilchenphysik bedeutenden Elementarteilchen direkt nachzuweisen. Aus Deutschland sind das Max Planck Institut für Physik in München und die Technische Universität München an CRESST beteiligt.
Die beiden experimentellen Herausforderungen denen man sich stellen muß, sind die sehr niedrige Rate, die man für Streuungen dieser Elementarteilchen an den Detektormaterialien zu erwarten hat und die sehr geringe Energie, die dabei übertragen wird. Beiden Problemen begegnet CRESST mit neuartigen Tieftemperatur-Detektoren basierend auf supraleitenden Thermometern. Dies ist ausgedrückt im Namen CRESST: Cryogenic Rare Event Search with Superconducting Thermometers. Die Sensitivität eines Experimentes wie CRESST ist durch die verbleibende Rate des radioaktiven Untergrundes gegeben. Deshalb ist das Experiment aus ausgesucht reinen Materialien hergestellt und wird unter Reinraumbedingungen betrieben. Zur Abschirmung vor Umgebungsradioaktivität ist der Kryostat, in dem die Detektoren installiert sind, mit insgesamt 35cm Kupfer und Blei umgeben. Trotz diesen Maßnahmen würde die kosmische Strahlung eine unerträglich hohe Rate an Störsignalen verursachen. Deshalb befindet sich CRESST, zusammen mit vielen anderen Experimenten, die nach seltenen Ereignissen suchen, im Gran Sasso Untergrundlabor in den Abruzzen in Italien.
Sehr sensitive thermische Detektoren
Die Detektoren von CRESST bestehen aus Saphir- oder CaWO4-Kristallen. Durch Streuung von WIMPs an Atomkernen wird Energie deponiert. Die resultierende Temperaturerhöhung wird gemessen und liefert so das Detektorsignal. Um mit diesen thermischen Detektoren bei den geringen Energien eine meßbare Temperaturerhöhung zu erhalten, müssen die Betriebstemperaturen der Detektoren sehr niedrig sein. Die Detektoren werden bei etwa 0.02K betrieben. Als Thermometer verwendet CRESST supraleitende Filme, die an ihrem Phasenübergang zur Supraleitung stabilisiert werden. Eine kleine Temperaturschwankung wird damit in eine relativ große Änderung des Widerstandes übertragen. Mit solchen Detektoren lassen sich sehr niedrige Energieschwellen realisieren. Je leichter die WIMPs sind, desto geringer sind die bei Kernstößen übertragenen Energien. Daher sind rein thermische Detektoren besonders geeignet, um nach WIMPs mit niedriger Masse zu suchen.
CRESST ist damit im Bereich kleiner WIMP-Massen das zur Zeit sensitivste Experiment. Mit rein thermischen Saphir-Detektoren konnten sowohl für WIMPs mit spin-abhängiger als auch für WIMPs mit spin-unabhängiger Wechselwirkung neue Grenzen angegeben werden.
Gleichzeitige Messung von Licht und Wärme - Unterdrückung des Untergrundes
Mit CaWO4 -Kristallen verwendet CRESST II auch szintillierende Absorber. D.h. bei einem Streuereignis wird neben Wärme auch Licht erzeugt. Das Verhältnis von Licht zu Wärme ist unterschiedlich für Gammastrahlung und Kernrückstöße. Wird nun -wie bei CRESST- gleichzeitig Wärme und Licht gemessen, so können die WIMP-Streuungen vom Gammauntergrund und damit vom überwiegenden Teil des radioaktiven Untegrundes unterschieden werden. Das vom Absorberkristall emittierte Licht wird bei CRESST mit einem zweiten benachbarten kleineren Tieftemperatur-Detektor gemessen. Damit steigt die Sensitivität für kleine Zählraten und kleine Wirkungsquerschnitte um viele Größenordnungen. Diese Art von Detektoren sind daher geeignet um bei höheren WIMP-Massen nach sehr kleinen Wirkungsquerschnitten zu suchen. Es wird eventuell sogar möglich sein, in Zukunft mit größeren Detektoren einen Großteil des für WIMPs erwarteten Parameterbereiches zu untersuchen. Status und Pläne von CRESSI ITCRESST wurde in den letzten Jahren vollständig im Gran Sasso Labor in Italien installiert und erfolgreich in Betrieb genommen. Die rein thermischen Detektoren haben die geplanten Eigenschaften erreicht und zeigen im relevanten Energiebereich einen Untergrund von nur einem Ereignis pro keV pro Tag und Kilogramm Detektormaterial. Damit werden in den nächsten beiden Jahren die geplanten Grenzen für WIMPs mit kleiner Masse erreicht werden können (siehe 'CRESST I rein thermisch'). Bisher konnte CRESST wegen der begrenzten Zahl von Messkanälen nur etwa 1kg Detektormasse betreiben. Zur Zeit wird CRESST aufgerüstet, um im nächsten Jahr in der Lage zu sein, bis zu 10kg zu installieren. Danach werden nach und nach 10kg CaWO4 -Kristalle in Betrieb genommen um mit der simultanen Licht-Wärme Messung den Bereich kleiner Wirkungsquerschnitte zu untersuchen (siehe 'CRESST Licht-Wärme').
Zukünftige ExperimenteDie zu erwartenden Streuraten für die Elementarteilchen der Dunklen Materie in den Detektoren der Experimente können eventuell nur wenige Ereignisse pro Jahr in 100kg Targetmasse sein. Um in diesen Bereich vorstoßen zu können, ist es zuallererst erforderlich den Untergrund auf sehr hohem Niveau sehr gut kontrollieren zu können. Für die notwendige statistische Relevanz der zu treffenden Aussagen werden dabei gleichzeitig sehr großer Targetmassen benötigt. Die Planungen gehen dahin, Tieftemperatur-Kalorimeter in einer europäischen Kollaboration auf Detektormassen bis hin zu mehreren 100kg auszubauen. Damit könnte ein Großteil des von der Supersymmetrie vorhergesagten Bereiches von Wirkungsquerschnitten abgedeckt werden. Wenn WIMPs nachgewiesen und daneben in Hochenergie-Beschleunigern neue Teilchen gefunden werden, könnte der Zusammenhang zwischen der Dunklen Materie und der Teilchentheorie jenseits des Standardmodells definitiv geklärt werden. Links
beteiligte Institute
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