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Gammastrahlung
Was ist Gammastrahlung?
Gammastrahlung ist, unsichtbar für das menschliche Auge, die höchstenergetische
Form elektromagnetischer Strahlung oder Licht. Unter Licht verstehen wir im allgemeinen
das sichtbare Licht, das aber nur einen winzigen Teil des elektromagnetischen
Spektrums ausmacht. Der Fachausdruck elektromagnetisches Spektrum beschreibt die
Gesamtheit aller Formen elektromagnetischer Strahlung. Radiowellen, Infrarotstrahlung,
sichtbares Licht, Ultraviolettstrahlung und Röntgenstrahlung gehören
ebenso dazu wie Gammastrahlung. Die Erzeugungsprozesse dieser Strahlungsarten
sind verschieden, aber alle diese Formen elektromagnetischer Strahlung sind physikalische
gesehen das Gleiche, eben Licht. Sie unterscheiden sich nur in der Energie der
Strahlung.
Wie beobachten wir Gammastrahlung? - Die Instrumente von GLAST
Aufgrund der hohen Energie können wir Gammastrahlung nicht mit einer Linse
oder einem Spiegel fokussieren, wie wir es in optischen Teleskopen tun. Ein
Gammastrahlungsteleskop benutzt statt dessen Detektoren. Das nächste grosse
Satellitenexperiment der NASA zur Gammaastronomie, GLAST, wird mit zwei solchen
Instrumenten ausgestattet sein, einem Large Area Telescope (LAT) und dem GLAST
Burst Monitor (GBM).
Das LAT ist das Primärinstrument für GLAST. Es hat ein sehr grosses
Gesichtsfeld von etwa einem Viertel des Gesamthimmels und wird Gammastrahlung
mit Energien von etwa zwanzig Millionen eV (20 MeV) bis zu dreihundert Milliarden
eV (300 GeV) messen. Zum Vergleich: das sichtbare Licht hat etwa ein eV Energie.
GLAST nutzt zur Detektion der Gammastrahlung den Prozess der Paarkonversion
aus. Gammastrahlung reagiert mit dichten Materialien (Bleifolien im Fall von
GLAST) und erzeugt dabei ein Paar von Elektronen und ihren Antiteilchen, den
Positronen. Das Elektron und das Positron fliegen weiter durch das Instrument,
wobei ihre Flugbahn von spurabbildenden Detektoren, hier Siliziumstreifenzählern,
vermessen wird. Aus den Flugbahnen des Elektrons und des Positrons kann man
die Herkunftsrichtung des ursprünglichen Gammastrahlungsquants rekonstruieren.
Elektron und Positron werden schliesslich im Kalorimeter absorbiert, wodurch
ihre Energie und damit die Energie des Gammaquants gemessen wird. Weitergehende
Informationen zu diesem Thema finden finden sich auf den Internetseiten des
LAT Teams an der Stanford University.
Das zweite Instrument auf GLAST, der GLAST Burst Monitor GBM, besteht aus zwei
Arten von Detektoren und ist für die Untersuchung von Gammastrahlungsausbrüchen,
sogenannten Gamma-ray bursts, vorgesehen. Mit dem GBM kann niederenergetische
Gammastrahlung bis zu etwa fünftausend eV (5 keV) vermessen werden. Das
Instrument wird auch innerhalb von Sekunden die ungefähre Position von
Gamma-ray bursts liefern, so dass, auch wenn das LAT den Ausbruch nicht gesehen
hat, der Satellit zur besseren Messung eines möglichen Nachleuchtens reorientiert
werden kann. Weitere Informationen finden sich auf den Seiten des GLAST Burst
Monitor Teams am Marshall Space Flight Center.
Welche wissenschaftlichen Fragen kann GLAST angehen?
Das GLAST-Projekt stellt einen deutlichen Fortschritt gegenüber dem sehr
erfolgreichen Compton Gamma Ray Observatory dar. Hochenergetische Gammastrahlung
kann nur unter sehr extremen Bedingungen erzeugt werden. GLAST wird daher die
energiereichsten Objekte und Phänomene im Universum studieren. Aufgrund
der hohen Energie wird Gammastrahlung im Weltall praktisch nicht absorbiert.
Sie eignet sich daher besonders, um Systeme zu studieren, die sich am Rande
des sichtbaren Universums befinden. Hier ist insbesondere die extragalaktische
Hintergrundstrahlung von grossem Interesse, da sie möglicherweise Beiträge
aus der Frühzeit des Universums enthält. GLAST wird solch exotische
Objekte wie überschwere Schwarze Löcher und Pulsare vermessen, aber
auch die Sternenstehungsgeschichte des Universums untersuchen und Informationen
zur Physik der Dunklen Materie liefern. Auch unsere Milchstrasse ist eine Quelle
von Gammastrahlung, die von energiereichen Teilchen im interstellaren Medium
erzeugt wird, der sogenannten kosmischen Strahlung. Selbst unsere Sonne strahlt
Gammastrahlung ab, wenn es auf ihrer Oberfläche zu Strahlungsausbrüchen
kommt. Diese Aufzählung zeigt bereits, wie breit die wissenschaftliche
Zielsetzung des GLAST-Projekts ist. Aufgrund der Qualitäten der Messinstrumente
ist zu erwarten, dass es noch zu einer Reihe von unerwarteten, aber wichtigen
Entdeckungen kommen wird.
Warum muss GLAST auf einem Satelliten fliegen?
Gammastrahlung ist so energiereich, dass sie das Leben auf der Erde gefährden
kann. Erfreulicherweise wird die kosmische Gammastrahlung aber durch die Erdatmosphäre
absorbiert. Dies ist andererseits ein Nachteil, wenn man die Gammastrahlung astronomisch
nutzen will. Bei sehr hochenergetischer Gammastrahlung von etwa einer Billion
eV (TeV) kann man die Reaktionsprodukte der Gammastrahlung in der Atmosphäre
messen, im Energiebereich bis zu einigen Milliarden eV (GeV) ist man jedoch auf
Satelliten angewiesen, um die kosmische Gammastrahlung messen zu können.
Welche deutschen Institute sind an GLAST beteiligt?
Eine Gruppe von Wissenschaftlern am Max-Planck-Institut für extraterrestrische
Physik arbeitet gemeinsam mit den Forschern am Marshall Space Flight Center
am Aufbau und der Datenauswertung des GLAST Burst Monitors GBM. Weiter wurde
ein Wissenschaftler der Universität Bochum von der NASA als GLAST Interdisciplinary
Scientist berufen und ist somit sowohl mit einen eigenen Forschungsprogramm
beteiligt als auch in die Projektleitung mit eingebunden.
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