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Gamma-Astronomie mit H.E.S.S.
Das High Energy Stereoscopic
System H.E.S.S ist ein System von 4 abbildendenden Cherenkov-Teleskopen der
nächsten Generation, das seit Ende 2003 in Namibia in Betrieb ist.
Mit H.E.S.S. sind bereits erfolgreich viele neue
astronomische Quellen hochenergetischer Gamma-Strahlung
im Energiebereich oberhalb von 100 GeV nachgewiesen und detailliert untersucht worden.
Die Sensitivität ist in etwa eine
Größenordnung besser als die Instrumente der vorhergehenden Generation und
die Energieschwelle.
Das Experiment
besteht in der derzeitigen Ausbauphase aus 4 Spiegelteleskopen (13 m Durchmesser,
15 m Fokallänge, segmentierter Hauptspiegel aus ca. 400 Einzelfacetten
aus Glas mit jeweils 60 cm Durchmesser), die Luftcherenkovlicht von atmosphärischen
Teilchenschauern sammeln und in einer Kamera im Primärfokus aus ca. 1000
lichtempfindlichen Detektoren (Photomultiplier) abbilden. Das H.E.S.S.-Teleskopsystem
ist nach dem Entdecker der kosmischen Strahlung und Nobelpreisträger (1936)
Victor Hess benannt worden. Der Standort des Experiments ist das Khomas-Hochland
in Namibia, etwa 1.5 Stunden Autofahrt von der Hauptstadt Namibias Windhoek
gelegen. Diese Hochebene (1800 m ü.N.N.) ist bestens für optische
Astronomie und insbesondere auch für die Beobachtung von Luftcherenkovlicht
geeignet. Der in der Nähe des Experiments gelegene Gamsberg
galt vor der endgültigen Wahl des Standorts der europäischen
Südsternwarte in Chile als direkte Konkurrenz zu La Silla in der Atacama-Wüste.
Eines der Kriterien für die Beobachtung von der Südhalbkugel ist die
gute Sichtbarkeit des galaktischen Zentrums. Hier erwartet man insbesondere
GeV-Photonen aus der Annihilation von supersymmetrischen Teilchen (sogenannte
WIMPS), die als Halo dunkler Materie unsere Galaxie
umgeben und besonders zahlreich zum galaktischen Zentrum hin beobachtbar sein
könnten.
An dem internationalen Gemeinschaftsprojekt sind 17 Institute
aus Europa (Deutschland, Frankreich, Italien, England, Irland) und aus Armenien,
Namibia und Südafrika beteiligt. Die deutsche Beteiligung mit 6 Instituten
liefert einen wesentlichen Beitrag zum Aufbau der Teleskope:
| Gamma-Strahlung von extragalaktischen Objekten (Aktive Galaktische Kerne) |
| Gamma-Strahlung aus dem galaktischen Zentrum |
| Erste Bilder in Gamma-Strahlung von explodierten Sternen |
| Neu entdeckte und nicht identifizierte Quellen von Gamma-Strahlung in der galaktischen Ebene |
| Entdeckung von Gamma-Strahlung eines Pulsar/Begleitstern-Systems |
| Neu entdeckte Systeme mit Pulsar/Pulsarwinden |
Das
Bild auf der linken Seite zeigt das erste H.E.S.S.-Teleskop nach der Montage
der Spiegel und der Kamera
auf dem rechten Bild ist eines der ersten Bilder
von einem Luftschauer zu sehen (vgl. auch mit der weiter unten
gezeigten Simulation!).

Abbildende Cherenkovtechnik
Zum Nachweis von hochenergetischen Photonen mit Energien von einigen 10 GeV
(1010 eV) wird im Rahmen des H.E.S.S.-Experiments die abbildende Luftcherenkovtechnik
eingesetzt. Diese Technik wird bereits erfolgreich für den Nachweis von Photonen
mit Energien oberhalb von 250 GeV eingesetzt (z.B. CAT, HEGRA, Whipple). Durch
die größere Spiegelfläche der H.E.S.S.-Teleskope wird mehr Cherenkovlicht
von ausgedehnten Luftschauern gesammelt und dadurch bei vergleichbarer Lichtempfindlichkeit
der Kamera die Nachweisenergieschwelle gegenüber den derzeitigen Instrumenten
gesenkt. Das Luftcherenkovlicht entsteht, falls ein Teilchen sich mit einer Geschwindigkeit
durch die Atmosphäre bewegt, die größer ist als die Ausbreitungsgeschwindigkeit
von Licht in diesem Medium. Geladene Teilchen wiederum entstehen in der Atmosphäre
durch Wechselwirkung von kosmischer Strahlung und auch Photonen mit den Atomen
in der Atmosphäre. Durch den Nachweis des Cherenkovlichts in einem abbildenden
Teleskop ist es möglich, zwischen den verschiedenen Teilchensorten, die Luftschauer
auslösen, zu unterscheiden.
Stereoskopische Beobachtung
Photoninduzierte Luftschauer können aufgrund der rekonstruierten
Ankunftsrichtung möglichen astronomischen Quellen zugeordnet werden. Hierbei
spielt die Winkelauflösung eine entscheidende Rolle. Im Rahmen des HEGRA-Experiments
ist die stereoskopische Beobachtung erstmals erfolgreich eingesetzt worden.
Diese Technik erlaubt es, die Richtung der Einfallsachse des Luftschauers mit
einer Genauigkeit von etwa 0.1o zu bestimmen. Hieraus ergibt sich
auch eine weitere Stärke der stereoskopischen Beobachtung: Der durch hadronische
Luftschauer hervorgerufene Untergrund lässt sich effizient durch die genaue
Kenntnis der Achse im Raum unterdrücken. Des weiteren kann die Energie
des Primärteilchens für individuelle Ereignisse mit einer relativen
Genauigkeit von kleiner als 20 % bestimmt werden.
Weiterführende Links
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