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Astrophysikalische NeutrinoquellenDa Neutrinos nur sehr schwach wechselwirken, erweist sich ihre Detektion als schwierig. Die Stärke ihrer Wechselwirkung nimmt zwar mit der Energie zu; andererseits wird jedoch die Anzahl der Neutrinos mit wachsender Energie geringer. So ist es zu erklären, daß der Nachweis von Neutrinos sehr hoher Energie (mit Ausnahme der in der Erdatmosphäre erzeugten) mit bisherigen Teleskopen nicht gelungen ist. Dennoch läßt sich aufgrund astrophysikalischer Modelle der (mögliche) Fluß (d.h. die Anzahl pro Zeit und Fläche) von galaktischen und extragalaktischen Neutrinos abschätzen. Hierbei zeigt sich, daß ihr Nachweis in Detektoren der nächsten Generation durchaus realistisch ist. Ganz allgemein kann man bei Neutrinos astrophysikalischen Ursprungs zwischen solchen aus hadronischen Quellen (bei denen beschleunigte Protonen eine wesentliche Rolle spielen) und solchen aus nichthadronischen Quellen unterscheiden. Neutrinos aus hadronischen QuellenDie Erzeugung von Neutrinos in hadronischen Quellen läßt sich
auf ein einfaches Grundprinzip reduzieren: Für die Neutrinoproduktion
sind Protonen erforderlich, die auf hinreichend hohe Energien beschleunigt worden sind
(s.u.). Treffen diese auf andere Protonen oder auf Photonen (Lichtquanten),
kann es zur Erzeugung von (geladenen) Pionen kommen, bei deren Zerfall ein
Muon und ein Muon-Neutrino entstehen. (Der Einfachheit halber wird hier und im
folgenden nicht zwischen Teilchen und Antiteilchen unterschieden.) Das Muon
wiederum zerfällt in ein Elektron, ein Muon- und ein
Elektron-Neutrino. Zusammengefaßt entstehen beim Zerfall eines
(geladenen) Pions also ein Elektron- und zwei Muon-Neutrinos. Tauon-Neutrinos
werden praktisch nicht erzeugt. Daher sollte bei
hadronischen Quellen das Neutrinoverhältnis Die Umsetzung des eben geschilderten Grundprinzips ist natürlich von Quelle zu Quelle verschieden, wie die folgende Liste von Kandidaten für Neutrinoquellen verdeutlicht.
Es bleibt noch zu erläutern, wie eigentlich die mehrfach erwähnte Protonenbeschleunigung erfolgen kann. Der hierfür vorgeschlagene Mechanismus (der als Fermibeschleunigung bezeichnet wird) läßt sich gut mit einem Tennisball erläutern, der zwischen zwei sich aufeinander zu bewegenden Wänden hin und her fliegt. Bei jeder Reflexion an einer der Wände nimmt seine Geschwindigkeit um die der Wand zu. Auf diese Weise kann der Ball also nach und nach auf beliebige Geschwindigkeiten gebracht werden. Der Tennisball entspricht nun dem zu beschleunigenden Proton; die Rolle der Wände wird von Fluktuationen im Magnetfeld wahrgenommen, an denen das Proton gestreut wird. Im Gegensatz zum einfachen Modell mit dem Tennisball ist bei der Fermibeschleunigung jedoch zu beachten, daß ein Proton im Magnetfeld Synchrotronstrahlung abstrahlt und somit einen Energieverlust erleidet, der mit der Energie zunimmt und demnach die maximal zu erreichende Energie beschränkt. Neutrinos aus nichthadronischen QuellenNeben den bislang diskutierten hadronischen sind auch nichthadronische Neutrinoquellen denkbar. Diese erfordern jedoch eine Erweiterung des Standardmodells der Elementarteilchenphysik. Eine Möglichkeit für die nichthadronische Neutrinoerzeugung bietet die dunkle Materie, sofern sie zerfällt und bei ihrem Zerfall Neutrinos entstehen. Ein Überschuß an Neutrinos aus Richtung des Erdinneren, der Sonne oder des Zentrums der Milchstraße wäre ein Hinweis darauf. Eine zweite Möglichkeit stellt der Zerfall sogenannter topologischer Defekte dar. Toplogische Defekte könnten hierbei bei einem nur im Rahmen der Quantenfeldtheorie zu verstehenden Übergang zu Beginn des Universums entstanden sein. |